Was wird aus Ihrer Immobilie? Immobilien-Tipps für Senioren

Die Checkliste dient dazu, sich einen Überblick über die Wohnsituation zu verschaffen und abzuschätzen, was an Veränderungen sinnvoll ist und umgesetzt werden kann. Wenn man sich frühzeitig mit dem Thema „Wohnen im Alter“ auseinander setzt, ist man vor Überraschungen geschützt und nimmt auc anderen (z.B. den Angehörigen) viele Entscheidungen ab. Machen Sie sich im Vorfeld Gedanken zu den 3 Entscheidungssituationen:

  • Ich möchte möglichst lange in meiner jetzigen Wohnumgebung bleiben. Wie zufrieden bin ich mit der
    derzeitige Wohnsituation?
  • Ich möchte die Wohnsituation verändern. Wie stark ist der Wunsch nach Veränderung?
  • Ich muss umziehen, da eine Rundum- Betreuung benötigt wird. Steht mehr der Wunsch oder die Notwendigkeit im Vordergrund?

Was möchte man verändern?

  • Die Wohnung / das Haus selbst (Aufteilung, Ausstattung, Sicherheit)?
  • Die Wohnlage?
  • Die Wohnform (allein, zu zweit, mit mehreren Menschen)?

Als erstes ist es sinnvoll die derzeitige Situation und Wünsche richtig einzuschätzen.

1. WOHNRAUMGRÖSSE UND -NUTZUNG

Überlegen Sie, ob Sie leer stehende Zimmer wirklich benötigen oder ob die Wohnfläche für die aktuellen
Bedürfnisse zu groß ist.

Nicht die Größe ist entscheidend – eine Immobilie sollte immer zur jeweiligen Lebenssituation passen.

  • Ist das Haus bzw. die Wohnung zu groß geworden?
  • Wieviel Zimmer benötigen Sie wirklich?
  • Werden die Zimmer der Kinder noch genutzt?
  • Wird ein Gästezimmer für Besucher benötigt?
  • Ist die nötige Hausarbeit allein zu schaffen?
  • Kann ich mich von Möbeln und Gegenständen trennen, um mich zu verkleinern?

2. BARRIEREFREIHEIT IM HAUS – Allgemein

Prüfen Sie so früh wie möglich und ganz realistisch, ob ein Umbau Ihres Hauses technisch und finanziell
möglich ist.

Nehmen Sie möglichst frühzeitig und solange Sie mobil sind, altersgerechte Umbauten vor. Handeln Sie
nicht aus der Not heraus! Besprechen Sie Alternativen immer mit einem Fachmann.

  • Beseitigung von Schwellen und Stolperfallen – Teppich, Türschwellen
  • Nichts im Weg liegen oder stehen lassen – Überflüssige Möbel und Gegenstände entfernen.
  • Ausreichend Bewegungsfläche schaffen – für einen Rollator wird ein Wendekreis von ca. 1,2 m benötigt, für einen Rollstuhl 1,5 m
  • Am Boden verlaufende Kabel vermeiden
  • Rutschfeste Bodenbeläge, Befestigung von Teppichen
  • Handläufe, Griffe, Abstützmöglichkeiten schaffen
  • Standsichere Möbel
  • Fenstergriffe, Lichtschalter, Türdrücker erreichbar machen, z. B. durch Verlängerung oder Fernbedienung
  • Werden zusätzliche Sicherheits- und Notrufsysteme benötigt?
  • Sind Maßnahmen im Bereich der Kommunikation und Orientierung, z.B. Beleuchtungsanlage oder Gegensprechanlage, zu verbessern?

2.1 Hauszugang / Wohnungseingang

  • Ist der Zugang zum Haus schwellenfrei?
  • Sind die Türen breit genug für einen Rollator (80cm) oder einen Rollstuhl (90 cm)?
  • Lassen sich Schwellen vor Haustür, Garten oder Balkon mit Rampen ausgleichen?
  • Sind Hausnummer und Namensschild gut erkennbar – für Notfälle und ambulante Dienste
  • Sprechanlage – wissen Sie vorher, wem Sie die Tür aufmachen
  • Elektrische Türöffner für Haus- und Wohnungstür, von Bett oder Wohnzimmersessel aus bedienbar, mit Gegensprechmöglichkeit
  • Gut hörbare Klingel (z. B. Zweiton-Gong)
  • Sicherung der Wohnungstür (z. B. Kastenriegelschloss, Weitwinkelspion)

2.2 Beleuchtung

  • Ausreichende Beleuchtung in allen Räumen
  • Lichtschalter am Bett, der liegend erreichbar ist
  • Bewegungsmelder, zumindest in fensterlosen Räumen und für nächtliche Wege, z. B. Bett – Toilette
  • Zuschaltung der Außenbeleuchtung mit Bewegungsmelder mit ausreichender Beleuchtungszeit

2.3 Im Haus

  •  Treppen
  • Durchgehende Handläufe auf beiden Seiten der Treppe
  • Bei selbstständig abschaltender Beleuchtung: ausreichende Beleuchtungszeit
  • Rutschhemmender Stufenbelag
  • Ausreichende Beleuchtung in allen Räumen
  • Treppenlift für Personen und Lasten (z. B. Waschkorb, Getränkekästen)

Möbel und Sitzplätze

  • Anpassung der Höhe der Möbel (Stühle, Sessel, Tische)
  • Sitzgelegenheiten mit Aufstehhilfe, feste Polster
  • Körpergerechte Sitzmöbel mit Arm- und Nackenstütze
  • Gut erreichbare Ablage neben dem Lieblingssitzplatz
  • Stützgriffe
  • Rollläden und Markisen elektronisch

Schlafbereich

  •  Anpassung der Betthöhe, in der Regel höher
  • Lattenrost mit elektrisch verstellbarem Kopf- und Fußteil
  • Pflegebett bei Pflegebedürftigkeit
  • Schaffung von mehr Platz am Bett (Platz zum Ein- / Aussteigen, zur Pflege) – möglichst beidseitig
  • Abstützmöglichkeit, z. B. Bügelstütze zum Hochklappen

Küche

  • Höherstellen von Küchengeräten (z. B. Kühlschrank, Backofen, Geschirrspülmaschine)
  • Unterfahrbare Arbeitsbereiche, z. B. für Rollstuhlfahrer
  • Sichere und leicht zu bedienende Armaturen, Sensorbedienung – Wasserhahn erreichbar machen, z.B. durch Umbau nach vorne
  • Herdzeitschaltuhr (Herd schaltet sich z. B. nach 20 Minuten ab, auch wenn der Benutzer das Abschalten vergisst) oder Induktionsherd
  • Sinnvolles Bestücken der Schränke: Alltagsgebrauchsgegenstände sind ohne Bücken und ohne Steigen erreichbar.

Badezimmer

  • Badezimmertür – Türöffnung nach außen, ev. Türverbreiterung mind. 90 cm oder Schiebetür – wichtig bei Pflege oder Stürzen
  • Unterfahrbarmachen des Waschbeckens für Rollstuhl oder Stuhl
  • Spiegel in passender Höhe, eventuell kippbar
  • Badewannenlift oder Badewannensitz (evtl. schwenkbar als Einstiegshilfe) zur Erleichterung beim Aufstehen oder Sitzbadewanne
  • Duschsitz (an der Wand befestigt oder als Duschhocker)
  • Einstiegs- und Stützgriffe für Wanne und Dusche
  • Einbau einer bodengleichen Dusche
  • Pflege von außerhalb der Dusche ermöglichen
  • Rutschsichere Einlagen in Wanne und Dusche
  • Sichere, erreichbare und leicht zu bedienende Armaturen, Sensorsteuerung
  • Ausreichend Bewegungsraum – 1,2 m Rollator und 1,5 m Rollstuhl
  • Einbau einer erhöhten Toiletten-Schüssel zur Erleichterung des Aufstehens
  • Armlehnen bei der Toilette, im Aufsatz integriert oder als Stützgriffe
  • Spülung sensorgesteuert oder ferngesteuert
  • Komfort-Toilette mit Vaginal- und Analdusche, Fön, beheizbarem und höhenverstellbarem Sitz und weiteren Komfort- und Sicherheitselementen
  • Toilettenpapier erreichbar ohne Verrenkung
  • Ausreichend Platz vor und neben der Toilette

3. GRUNDSTÜCKSGRÖSSE, GARTENNUTZUNG & AUSSENFLÄCHEN

Überlegen Sie, ob Sie Ihre Gartenarbeit genießen oder es als anstrengende Arbeit empfinden, die
gemacht werden muss.
Entscheidend sind die Verbesserung der Lebenssituation und der Gewinn von mehr Lebensqualität.

  • Sind die Wege zum Eingang und in den Garten mindestens 90 cm breit?
  • Sind die Wege gut ausgeleuchtet?
  • Sind Stolperfallen – z.B. Beetabgrenzungen, Stufen oder Schwellen – beseitigt?
  • Gibt es trittsichere Belege auf Terrassen, Stufen und Wegen?
  • Gibt es Bewässerungssysteme oder einen Rasenmähroboter?
  • Kann der gesetzlich vorgeschriebene Winterdienst eingehalten werden?
  • Gibt es Möglichkeiten der Unterstützung bei Gartenarbeit und Winterdienst?

4. IMMOBILIENSANIERUNG, MODERNISIERUNG & REPARATUREN

Überlegen Sie vor anstehenden Investitionen, ob Sie noch lange genug in Ihrer Immobilie wohnen
möchten und können. Bilden Sie Instandhaltungsrücklagen.
Wichtig bei der Investition ist, dass Sie noch lange etwas davon haben. Ein zu später Umbau ist oft nicht
sinnvoll, weil dann der Nutzen nur von geringer Dauer war. Deshalb entscheiden Sie sich möglichst früh
für einen Umbau und zögern Sie ihn nicht zu lange heraus.

  • Können geplante Sanierungen oder Modernisierungen bezahlt werden?
  • Können Renovierungen zum Werterhalt der Immobilie durchgeführt werden? Ein Treppenlift und Rampen erhöhen die Werterhaltung nicht.
  • Gibt es zusätzlich nach dem Umbau genügend finanzielle Rücklagen für unvorhergesehene Reparaturen?
  • Überlegen Sie vor anstehenden Investitionen, ob Sie noch lange genug in Ihrer Immobilie wohnen möchten und können.
  • Ist die Wohnlage im Alter sinnvoll – Erreichbarkeit Ärzte, Einkaufsmöglichkeiten, öffentlicher Nahverkehr (wenn im Alter auf das Auto verzichtet werden muss)
  • Ein kostenintensiver Umbau ist wenig sinnvoll, wenn man sich außerhalb des Wohnumfeldes in Abhängigkeit begeben muss.

5. HAUSVERKAUF ODER VERMIETUNG

Überlegen Sie sich gut, ob Sie einen möglichen Verkauf oder eine Vermietung allein bewältigen können
oder fachliche Unterstützung benötigen.
Lassen Sie den Marktwert und auch den Mietwert Ihrer Immobilie ermitteln.
Überlegen Sie vor einem Verkauf genau, in welchem Verhältnis mögliche Investitionen zur weiteren
Nutzung der Immobilie stehen.
Sprechen Sie rechtzeitig mit Ihren Kindern und verlassen Sie sich nicht auf Spekulationen. Oftmals haben
die Kinder eine andere Lebensplanung. Beziehen Sie Ihre Angehörigen auf jeden Fall in die Pläne mit ein,
um späteres Unverständnis zu vermeiden.

  • Kann die Verantwortung für die Immobilie zukünftig getragen werden?
  • Wird die körperliche Belastung zu groß? (Garten, Haushalt, etc.)
  • Ist die Infrastruktur ausreichend? (Einkaufsbedingungen, Ärzte, Apotheken erreichbar)
  • Werde ich in meiner eigenen Immobilie vereinsamen, weil sie ungünstig für Freizeitgestaltungen liegt und auch ältere Besucher nicht mehr herkommen können?
  • Möchte ich den Immobilienverkauf, um damit eine altersgerechte Wohnform zu finanzieren
  • Möchte ich die Immobilie vermieten, um damit eine altersgerechte Wohnform zu mieten?
  • Ist eine Untervermietung sinnvoll? Kann man mit den Einschränkungen und Veränderungen
    umgehen?

6. MÖGLICHE WOHNFORMEN

Es gibt eine Reihe von Wohnformen speziell für Senioren. Je früher Sie sich mit dem Gedanken auseinandersetzten Ihre Wohnform zu ändern, desto größer ist die Auswahl.
Durch den Demografischen Wandel entstehen immer mehr Wohnmodelle.

  • Barrierefreies bzw. barrierearmes Wohnen zu Hause durch Umbau
  • Betreutes Wohnen zu Hause – ambulante Dienste, weitere unterstützende Dienstleistungen
  • Seniorengerechte Wohnungen mit guter Infrastruktur – barrierearm und oft mit guten Möglichkeiten zur Teilnahme am sozialen Leben. Separate Dienstleistungen kann man später unabhängig bestellen.
  • Betreutes Wohnen – barrierefreie Wohnungen mit Pauschalen für Grundleistungen. Hinzubuchung von Reinigungs-, Mahlzeiten- und Pflegediensten der Einrichtung möglich. Hier gibt es oftmals im Gegensatz zur seniorengerechten Wohnung auch Gemeinschaftsräume, Freizeitgestaltungsangebote in der Einrichtung und eine Kantine
  • Gemeinschaftliches selbstbestimmtes Wohnen – selbst organisiert. Oft abgetrennte kleine Wohnungen mit eigenen Bad und/oder Küche mit Gemeinschaftsraum zur gemeinsamen Freizeitgestaltung. Teilweise separate Wohnung für Gäste vorhanden.
  • Betreute Wohngemeinschaft bzw. Wohngruppe für pflegebedürftige Senioren. Die Senioren leben in kleinen Wohnungen oder Zimmern und werden von einem Betreuerteam unterstützt.
  • Wohnstift, Seniorenresidenz Wohnen ähnlich wie in einem Hotel mit luxuriöser Ausstattung, wie z.B. einem Schwimmbad, Restaurant, etc.
  • Seniorenheim – diese Wohnform ist für Senioren, die noch mobil sind, aber keinen eigenen Haushalt mehr haben und immer mehr Unterstützung im Alltag benötigen. Oft eigene Zimmer, die in einem Pflegeheim mit untergebracht sind.
  • Pflegeheim – stationäre Rundumbetreuung für Pflegebedürftige, die durch die Pflegekasse unterstützt wird.

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